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OTZ, Alexander Hebenstreit 22.08.2013

Hirschberg bangt um seinen Naturpark

Hirschbergs Bürgermeister Rüdiger Wohl befürchtet, dass der Rückbau des Wehrs an der Steinmühle "von oben" verordnet werden könnte, was das Landschaftsbild völlig verändern würde. In Hof wurde bereits ein entsprechender Antrag gestellt.

Hirschberg. Die Stadt Hirschberg ist trotz des bevorstehenden Wiesenfests momentan nicht zu beneiden. Nicht nur, dass die Kommune große finanzielle Sorgen hat, nun droht auch ein Stück weit Identität verloren zu gehen, ein idyllischer Naturraum zwischen Wasser und Wald. Das meint zumindest Bürgermeister Rüdiger Wohl, der um die Zukunft des Naturparks Hag bangt.

Der droht sein Gesicht durch einen womöglich bevorstehenden Rückbau des Wehrs an der Steinmühle völlig zu verlieren. Doch nicht nur optisch würde sich einiges ändern. Auch die Gondelstation hätte keine Zukunft. Eislaufen auf der zugefrorenen Saale wäre angesichts der höheren Fließgeschwindigkeit nicht mehr denkbar. Eine weitere Folge wäre ein deutlich niedrigerer Wasserspiegel.

Allerdings gibt es "eindeutige Signale, dass es das Vorhaben gibt, das Wehr zurück zu bauen", wie Rüdiger Wohl bereits zur jüngsten Stadtratssitzung verkündete. Hintergrund ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die unter anderem vorsieht, die Durchgängigkeit von Fließgewässern wieder herzustellen und so beispielsweise für Fische durchlässig zu machen.

Doch dieses Argument will man in Hirschberg nicht gelten lassen. "So, wie das Wehr beschaffen ist, ist die Fischwanderung nicht unterbrochen", sagt der stellvertretende Bürgermeister Gerd Windrich und verweist auf dessen relativ geringe Höhe. Außerdem sei für die Fische ­ohnehin spätestens an der Staumauer Schluss.

Das sehen aber nicht alle so, wie das Gutachten eines Landschaftsökologen zeigt. In Auftrag gegeben wurde es von Hans-Ulrich Graf aus Altenschwand, der bereits seit 2006 darum kämpft, am Wehr ein Wasserkraftwerk zu errichten - bislang ohne Erfolg. Für Hirschberg wäre das aber nicht nur wegen des grünen Stroms wichtig, sondern auch, weil durch ein solches Kraftwerk das Wehr in seinem Bestand gesichert wäre und aus Sicht des Bürgermeisters im Hag auch nicht stören würde.

Nimmt man das Gutachten zugrunde, stehen die Karten dafür eher schlecht. Darin heißt es unter anderem: "Die schrittweise Herstellung der Durchgängigkeit der Fließgewässer ist eine unaufschiebbare Forderung unserer Zeit" und "die Erhaltung des derzeitigen Gewässerzustandes mit dem Wehr ist nicht mit Argumenten von Naturschutz oder Tourismus zu rechtfertigen."

Ein weiteres Problem ist, dass die Saale im Bereich des Naturparks die Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern bildet, womit beide Bundesländer zuständig sind. Und während man in Hirschberg um den Erhalt kämpfen will, "haben die bayerischen Behörden dazu nicht den Bezug", wie Rüdiger Wohl meint. Schlimmer noch: Wie er über eine kleine Anfrage im Thüringer Landtag in Erfahrung brachte, liegt im Landesverwaltungsamt sogar ein Antrag auf den Rückbau des Wehrs vor, der dem Antrag von Hans-Ulrich Graf gegenüber steht - gestellt vom Landratsamt Hof.

Die Stadt Hirschberg sei im entsprechenden Verfahren zwar anzuhören, "aber das heißt nicht, dass sie auch auf uns hören", berichtet Rüdiger Wohl, der gewillt ist, um sein Wehr zu kämpfen. Dazu will er auch den Stadtrat und die Bürger der Stadt mobilisieren.