10. Januar 2018 OTZ 09. Januar 2018

Zwei Standorte sind Herausforderung in Bad Lobenstein

Die Leiterin des Gymnasiums, Andrea Schmidt, im Gespräch mit Stadtratsmitglied Klaus Möller, den Landtagsmitgliedern der Linken Ralf Kalich und Torsten Wolf, Bürgermeister Thomas Weigelt und Regine Kanis, Mitglied des Bildungsausschusses im Kreistag Saale-Orla (von links). Foto: Peter Hagen

Bad Lobenstein. Wie läuft das erste Schuljahr im neuen Bad Lobensteiner Schulzentrum und wie kommt speziell das Reichard-Gymnasium mit der besonderen Situation von zwei Standorten klar, weil das eigene Schulhaus momentan zum Großteil eine Baustelle ist? Zu diesen Fragen informierten sich am Montag Mitglieder der Thüringer Landtagsfraktion der Linken sowie Vertreter des Bildungsausschusses beim Kreistag Saale-Orla.

„Wir hoffen, dass die Bautermine gehalten werden können“, blickte die Leiterin des Gymnasiums, Andrea Schmidt, optimistisch nach vorne. Durch die überraschende Insolvenz eines Bad Lobensteiner Unternehmens im vorigen Jahr sei ein Verzug im Bauablauf nicht zu vermeiden gewesen. Doch die Leistung sei durch den Landkreis umgehend neu ausgeschrieben und vergeben worden, war zu erfahren. „Natürlich ist es mit zwei Standorten nicht einfach, den Unterricht zu organisieren“, erklärte Andrea Schmidt, „aber bis jetzt funktioniert es ganz gut.“

Aufgrund der Sanierungsarbeiten an dem 1976 eingeweihten Schulgebäude in der Karl-Marx-Straße werden die rund 350 Mädchen und Jungen der Klassenstufen fünf bis zehn in der ehemaligen Regelschule im Hain unterrichtet. Dort war nicht für alle 470 Gymnasiasten ausreichend Platz, weshalb die Klassenstufen elf und zwölf in der Karl-Marx-Straße verblieben sind. Dort sollte ursprünglich bis zu den Weihnachts-Ferien der Unterricht im vorderen Teil des Schulgebäudes stattfinden, während die Bauarbeiten im hintere Gebäudeteil und dem Mitteltrakt laufen. Jetzt mit dem neuen Jahr sollte eigentlich der Umzug der Schüler in den hinteren Gebäudeteil erfolgen, um die Sanierung des vorderen Gebäudeteils durchzuführen. Doch von dieser Planung ist man inzwischen in der Realität weit entfernt. Noch ist an den Umzug innerhalb des Gebäudes nicht zu denken.

 

Gymnasium erhält einen Fahrstuhl-Anbau

Nach Fertigstellung der Sanierungsarbeiten wird das Gymnasium komplett barrierefrei sein. Am Mitteltrakt erfolgt der Anbau eines Fahrstuhls, sodass künftig auch Rollstuhlfahrer jede Etage erreichen können. Eine Baumaßnahme, wie sie von Mitgliedern der AfD-Landtagsfraktion aus Kostengründen abgelehnt wird. Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD im Landtag, Stefan Möller, sprach sich unlängst in Bad Lobenstein für eine Kasernierung von Schülern mit Handicaps aus, um Geld zu sparen.

Ein aktuelles Problem, das ums Bad Lobensteiner Schulzentrum keinen Bogen macht, ist der Lehrkräftemangel. „Derzeit ist der Unterrichtsausfall nicht dramatisch“, konnte Andrea Schmidt für das Gymnasium berichten. Doch nachdem im vergangenen April ein Musiklehrer wegging, kommt es beispielsweise zu 15 Stunden Ausfall wöchentlich beim Musikunterricht. Hier verwies Torsten Wolf, bildungspolitischer Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, auf das von der rot-rot-grünen Koalition verabschiedete Bildungspaket, das vorsieht, in diesem und im nächsten Jahr insgesamt 600 Lehrer mehr als geplant befristet einzustellen. „Zudem gibt es die Möglichkeit, mit dem Schulbudget beispielsweise eine Honorarkraft zu bezahlen“, erläuterte Wolf. Dieses Schulbudget wird ab dem kommenden Schuljahr eingeführt und sieht die Zahlung von 30 Euro pro Schüler an der Einrichtung vor. Ein Ziel sei es, mit diesem Schulbudget auch auf kurzfristige Erkrankungen von Lehrpersonal reagieren zu können.

Am Gymnasium gibt es aktuell 38 Lehrkräfte und zwei Referendare.

Peter Hagen / 09.01.18